Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr!

Wenn Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, hilft Ihnen dieser einfache Leitgedanke:

Stuckateurmeister Werner ist Anfang 50. Seinen Betrieb hat er schon über 20 Jahre. Es gibt immer wieder Hochs und Tiefs, trotzdem ist er mit der Auftragslage und seinem Erfolg mehr als zufrieden. Er hat sich in den letzten Jahren spezialisiert, kann dadurch bessere Preise erzielen und seine Umsätze steigen von Jahr zu Jahr. Wie er mir bei unserem ersten Gespräch erzählt, will er mit seinem Unternehmen weiter wachsen. Schon jetzt arbeitet er zu 80% im Büro und nur noch wenige Stunden auf der Baustelle. Doch was ihm zu schaffen macht, das ist sein Schreibtisch!

 

„Morgens schon den zugepflasterten Schreibtisch zu sehen, das kann ich nicht mehr ertragen. Ich brauche Übersicht und ich brauche Platz, sonst werde ich noch verrückt hier!“, so macht er sich zuerst einmal Luft, als wir uns die Situation anschauen.

 

Wer wachsen und dabei gleichzeitig gelassen den Herausforderungen begegnen will, der wird das nicht an einem überfüllten Schreibtisch tun: Das Ungewisse, das in den Stapeln lauert, drückt wie eine große Last auf den Schultern. Sobald man den Raum betritt, springt einem die Flut an Aufgaben ungefiltert ins Gesicht. Wichtiges und Dringendes verschmelzen mit der Zeit zu einem "Das-müsste-ich-mal-tun-Papierhaufen". Ein gezielter Wachstumsvorgang ist völlig ausgebremst.

 

Da führt nichts dran vorbei: Der ganze Schreibtisch muss abgeräumt und neu organisiert werden. Nur das wirklich Notwendige findet einen bestimmten Platz auf dem Tisch. Beim Bürocoaching ist das der erste Schritt, denn der Schreibtisch bietet die Grundlage aller Geschäftsvorgänge. Alles baut systematisch darauf auf.

 

Nach einer gewissen Zeit haben wir es also geschafft, in Werners "Wald" mit den vielen Bäumen eine schöne Lichtung zu schlagen. Von der Tischplatte ist reichlich Fläche zu sehen. Alle Unterlagen haben Ihren spezifischen Platz an einem bestimmten Ort gefunden. Die Arbeit wartet förmlich darauf, getan zu werden. – Doch Stopp!

 

Es wäre zu schade um den ganzen Einsatz, wenn sich zu der veränderten Schreibtischstruktur nicht auch die Verhaltensweise ändern würde. Vielleicht haben Sie die Erfahrung in Ihrer Lagerhalle oder im Keller schon einmal gemacht: Mühsam und zeitaufwändig räumen Sie auf und schaffen Ordnung, und nach kurzer Zeit, ist der Raum wieder überfüllt, unsortiert oder gar zugemüllt. Und warum? Weil die Beteiligten ihr Verhalten nicht parallel zu der neuen Struktur verändert haben. Die Gegenstände werden einfach ungeachtet dem neuen System dazugestellt.

 

Machen Sie es zukünftig wie mit Ihrer Besteckschublade. Auch wenn manche Männer (Sie natürlich ausgenommen) mit einer Küchenordnung leicht überfordert scheinen, so schaffen es doch die meistens zumindest in der Besteckschublade Ordnung zu halten: Messer zu Messern, Gabeln zu Gabeln, Löffel zu Löffel. Alles hat einen bestimmten Platz. Wenn nun Messer und Gabel benutzt werden, kommen diese nach der Reinigung genau dorthin zurück, von wo sie genommen wurden.

 

Am Schreibtisch ist das vom Prinzip her nichts anderes. Der einfache Leitgedanke, den Sie sich dafür bitte jetzt einprägen, heißt: Aus dem Schrank – in den Schrank. Aus dem Fach – in das Fach. Aus der Mappe – in die Mappe. Das ist Schubladendenken, ich weiß. Aber genau das macht es einfach. Simple Sätze erleichtern, das eigene Verhalten dauerhaft zu ändern.

 

Schluss also mit dem Durcheinander auf dem Schreibtisch. Jetzt haben Sie Platz für die eine wichtige Aufgabe, die Sie jetzt erledigen wollen. Jetzt legen Sie Ihren Fokus genau auf diesen Punkt. Damit haben Sie zwei elementare Voraussetzung geschaffen. Sie haben sich bewusst entschieden, woran Sie arbeiten wollen, und Sie konzentrieren sich genau auf diese eine Herausforderung.

 

Denken Sie daran: Aus dem Schrank – in den Schrank! Erst durch Ihr Verhalten bekommt das neue System seine optimale Wirkung.

 

Welche Erfahrung haben Sie, wenn Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen?

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